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Bremst der Mietendeckel die Klimawende?
Der Mietendeckel könnte Vermieter das benötigte Geld für Gebäudesanierungen kosten. Und die sind enorm wichtig im Kampf gegen den Klimawandel | Foto: Bild von Karlheinz Pape auf Pixabay

Bremst der Mietendeckel die Klimawende?

08. Juni 2020


Kosten in Höhe von 91 Milliarden Euro kommen bis 2050 allein für die energetische Sanierung der Gebäude auf Berlin zu. Grund ist das ehrgeizige Ziel, in 30 Jahren klimaneutral zu werden. Der Mietendeckel könnte hier ein Problem darstellen.

91 Milliarden Euro für die Gebäudesanierung

Man möchte eine Londonisierung vermeiden. Berlin soll keine Stadt voller Bänker, teurer Luxusimmobilien und einer Mittelschicht, die langsam an den Stadtrand gedrückt wird, werden. Die Lösung der rot-rot-grüne Regierung zur Vermeidung des Szenarios: der Mietendeckel. Und an diesem hält die Regierung vehement, trotz aller Kritik, fest. Der Senat setzte sich jedoch gleichzeitig ein anderes ambitioniertes Ziel: Klimaneutralität bis 2050. Und wie erreicht man dieses? Verkehrswende vorantreiben, erneuerbare Energien fördern, innovative Ideen nutzen – beispielsweise das Verwenden von Drohnen im Lieferdienst.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die energetische Sanierung von Gebäuden, da diese aktuell für rund 50 Prozent des CO2-Ausstoßes Berlins verantwortlich sind. Vor diesem Hintergrund erarbeitete die Nymoen Strategieberatung, beauftragt von der Initiative Wärmewende, dass bis 2050 etwa 91 Milliarden Euro – das entspricht drei Milliarden Euro pro Jahr – notwendig sind, um die Gebäude der Metropole klimafreundlich zu gestalten. „Die energetische Gebäudesanierung ist ein entscheidender Hebel für das Erreichen der Klimaschutzziele. Die nun erstmals vorliegenden Berechnungen zeigen aber auch, dass die Umsetzung eine immense finanzielle Kraftanstrengung erfordert.“, sagte Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Berlin.

Vermieter müssten demnach 2,89 Euro Kosten pro Quadratmeter pro Monat zusätzlich verlangen. Laut Mietendeckel dürfen allerdings nur ein Euro pro Quadratmeter umgelegt werden. Deswegen fürchten die Vertreter der Initiative Wärmewende, dass auf Grund der anfallenden Kosten für die Vermieter die Sanierungen nicht im vollen Maß stattfinden werden und somit die Klimawende verlangsamt wird. „Der Klimaschutz ist nicht nur ein wichtiges Ziel für die Unternehmen, er ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Mit ihrem aktuellen Kurs wird die rot-rot-grüne Regierung ihre Klimaziele aber klar verfehlen. Der Mietendeckel bremst den Klimaschutz aus – damit konterkariert die Koalition ihre eigenen Ziele.“, erklärte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg.

Es wird noch teurer

Zudem werden noch weitere Kosten zu den 91 Milliarden Euro hinzukommen. Denn neben der Sanierung sind einige Modernisierungen nicht eingeplant, wie beispielsweise eine Erneuerung des Brandschutzes. Insgesamt schätzt die Nymoen Strategieberatung die Kosten auf 145 Milliarden Euro für die nächsten 30 Jahre ein. Wer soll das alles zahlen?

Maren Kern, Vorstand des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU, forderte eine Lösung, die fair für alle Beteiligten ist. „Bezahlbares und gutes Wohnen ist ein Hauptfokus der sozialen Wohnungswirtschaft im BBU. Die heute vorgelegte Studie macht deshalb deutlich: Berlin muss jetzt ernstmachen mit einer klaren und widerspruchfreien Klimaschutzstrategie. Dazu gehört insbesondere die Vermeidung von Zielkonflikten. Weder Mieter*innen noch Vermieter*innen dürfen durch die notwendigen Klimaschutzinvestitionen überfordert werden. Wenn Berlin klimaneutral werden will, muss das Land eine massive finanzielle Unterstützung bereitstellen.“ (aak)