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Klartext reden – gar nicht so einfach
Formulare oder Bescheide stellen den Laien oft vor eine Herausforderung. | Foto: Krissie auf Pixabay

Klartext reden – gar nicht so einfach

20. Januar 2021

Ein Brief vom Amt verstehen oder ein Formular einer Behörde ausfüllen? Oft gar nicht so einfach. Denn häufig sind die Dokumente kaum zu durchblicken und man fragt sich: Was wollen sie mir damit sagen und was fordern sie von mir? Aus diesem Grund startet die Senatsverwaltung für Finanzen gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) ein Pilotprojekt zur besseren sprachlichen Verständlichkeit.

Gemeinsam auf die Suche nach einer klaren Sprache gehen

Im Rahmen des Projektes lässt das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) die Verständlichkeit von Behördentexten von Bürger*innen bewerten. Der Fokus liegt dabei auf Texten der Steuerverwaltung. Aber nicht nur diese werden unter die Lupe genommen. Die Mitarbeiter der Steuerverwaltung überprüfen auch Schreiben, Vordrucke, Steuerbescheide sowie allgemeine Informationen in Broschüren, Merkblättern und Internetauftritten auf ihre Verständlichkeit hin. Dabei ist das Ziel, die Texte nachvollziehbarer zu formulieren und die Bürger*innen durch eine klarere Kommunikation besser zu erreichen.

Warum drückt sich eine Behörde so schwierig aus?

Die schwierigen Formulierungen nutzt eine Behörde, um geltendes Recht umzusetzen und das oft in schriftlicher Form. Gerade bei der Begründung von Bescheiden werden die Formulierungen hochgradig kompliziert und die Kernaussagen gehen für den Leser verloren. Der Grund dafür ist die behördliche Entscheidung, auf eine rechtssichere Basis zu setzen. Der Bürger wiederum hat dadurch die Möglichkeit zu prüfen, ob sein Recht verletzt wurde und kann sich im Fall der Fälle juristisch dagegen wehren. Doch, wenn der Bürger den Text oder einzelne, wichtige Formulierungen nicht versteht, wird ein juristisches Vorgehen schwierig.

Einfache Sprache – leicht gemacht?

In der Vorlage für das Abgeordnetenhaus von Berlin vom 11.09.2020 reichte der Berliner Senat ein Diversity-Landesprogramm ein, das inhaltlich auch die bessere Kommunikation mit den Bürger*innen hervorstellt. Ein Punkt darin ist eine einfache Sprache, die das Ziel verfolgt, leicht im Auffassen und Lesen zu sein. Dafür werden beispielsweise im Alltag gebräuchliche Wörter benutzt und Fremdworte vermieden. 

Mit dem Pilotprojekt geht die Senatsverwaltung einen ersten Schritt für eine bessere Verstehbarkeit. Doch in der Umsetzung braucht es mehr als nur einen Ratgeber. Dafür müsste die Senatsverwaltung mit Fortbildungsangeboten und einer Begleitung von externen Expert*innen die Mitarbeiter in der Umsetzung unterstützen. Wir sind gespannt auf den nächsten behördlichen Brief. (kk)