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Nachbesserungsbedarf bei Corona-Hilfen
Die IHK befragte insgesamt 351 Unternehmen zu den Liquiditätshilfen von Bund und Ländern. | Foto: Lukas von Pexels

Nachbesserungsbedarf bei Corona-Hilfen

23. Oktober 2020

Die Auswirkung der Corona-Krise auf die Wirtschaft sind verheerend. Viele Unternehmen bangen seit März um ihre Existenz. Bund und Land stellten und stellen noch immer mehrere Milliarden Euro an Liquiditätshilfen zur Bewältigung der Pandemie-Auswirkungen zur Verfügung. Nun führte die IHK Berlin eine Umfrage zu der Zufriedenheit von Unternehmen mit den Hilfsmaßnahmen durch.

Unternehmensbefragung zeigt Unzufriedenheit

Die IHK befragte insgesamt 351 Berliner Kleinunternehmen aus den Branchen: Industrie, Baugewerbe, Handel, Gastgewerbe und Dienstleistung. 48 Prozent der befragten Betriebe gaben an, unzufrieden mit den aktuellen Hilfemaßnahmen zu sein. Weitere 24 Prozent zeigten sich wenig zufrieden und lediglich 23 Prozent sind zufrieden bis sehr zufrieden. Die Betriebe wünschen sich vor allem bessere Rahmenbedingungen bei den Zuschussprogrammen, so ein Ergebnis der Umfrage. 36 Prozent der befragten Unternehmen bemängelten die Richtlinie um die Überbrückungshilfen des Bundes und 33 Prozent übten vergleichbare Kritik am KfW-Kredit. Die aus Unternehmenssicht komplizierte Beantragung und die Dauer der Auszahlungen führen zu keiner großen Zufriedenheit mit den beiden Programmen.

Die IHK zeigt sich von den Umfrageergebnissen wenig überrascht: „Die Ergebnisse dieser Befragung bestätigen den Eindruck aus der täglichen Beratungspraxis unserer Mitgliedsunternehmen. Vor allem die Kleinstunternehmen und die Soloselbstständigen sind zutiefst frustriert. Zwar ist seit Beginn der Krise ein durchaus vielfältiges Angebot an Unterstützungsmaßnahmen aufgelegt worden – schauen die Betriebe jedoch ins Kleingedruckte, dann können sie oftmals die Hilfen gar nicht erst beantragen,“ so Henrik Vagt, Geschäftsführer Wirtschaft & Politik sowie Beratung & Service der IHK Berlin.

Wechselnde Nachfrage an Corona-Hilfen

In den ersten Monaten der Pandemie war die Nachfrage nach der Soforthilfe in allen Betrieben groß. Mittlerweile sind es laut Befragung vor allem die Bundesprogramme, auf die die Betriebe zugreifen. 26 Prozent der 351 befragten Unternehmen haben einen Antrag auf die Corona-Überbrückungshilfen gestellt und weitere 14 Prozent greifen auf den KfW-Kredit zurück. Währenddessen ist die Nachfrage bei der Soforthilfe V des Landes und beim Gewerbemietenzuschuss nur gering. Grund dafür könnten strengere Grundvoraussetzungen zur Beantragung der Länder-Hilfen oder schlechte Erfahrungen bei der vorherigen Soforthilfe sein.

Kurzarbeitergeld als wichtigste Unterstützungsmaßnahme

Bei den weiteren Unterstützungsmaßnahmen ist es vor allem das Kurzarbeitergeld, das den Betrieben hilft. 37 Prozent der Befragten nutzen das Kurzarbeitergeld und 17 Prozent stunden oder mindern Dauerschuldverhältnisse wie Mieten. Weitere 15 Prozent profitieren von steuerlichen Erleichterungen. Sale and lease back oder der Verkauf von Unternehmensanteilen sind dagegen nur für wenige Betriebe das Mittel der Wahl.

Zwar fühlen sich 58 Prozent der Unternehmen gut bezüglich der Unterstützungsmaßnahmen informiert, jedoch auch 28 Prozent der Befragten gar nicht. Es sind vor allem die vielen unterschiedlichen Programme und die jeweils unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen, über die sich die Betriebe mehr Klarheit in der öffentlichen Kommunikation wünschen. (nm)